Logo_klein
Menschen mit Down-Syndrom, Eltern & Freunde e.V.

Atlantoaxiale Instabilität Home  |  Suchen

 
Veränderungen am Skelett: Atlantoaxiale Instabilität
Sollen Kinder mit Down-Syndrom regelmäßig auf atlanto-axiale Instabilität hin untersucht werden?
Dr. Len Leshin, Orthopädische Probleme bei Down-Syndrom, Leben mit Down-Syndrom, Nr. 44, Sept. 2003,  S. 18f.

Veränderungen am Skelett: Atlantoaxiale Instabilität
Quelle: Pueschel, Siegfried M.: Down-Syndrom - für eine bessere Zukunft
zit.n. einem Email von Hermann Stuessel, Arbeitskreis Down-Syndrom e.V., Bielefeld

Probleme mit Knochen und Gelenken sind häufig, sie betreffen viele Körperteile. Eine bekannte Beschwerde sind überdehnte Bänder (Bänder bestehen aus Fasern und halten normalerweise die Knochen zusammen). Deshalb sind die meisten Kinder mit Down-Syndrom außerordentlich gelenkig, es kann aber auch zu Subluxationen (Verrenkung) und Luxationen (Ausrenkung) von Knien und Hüften kommen.

Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule werden bei Menschen mit Down-Syndrom relativ oft beobachtet. Große Studien zeigen, daß die meisten Kinder (85%) zwar keine atlantoaxiale (bezieht sich auf Atlas und Axis, den ersten und zweiten Nackenwirbel) oder atlantookzipitale (bezieht sich auf Atlas und Hinterhauptbein des Schädels) Instabilität haben. Bei etwa 10 bis 15% kommt aber eine atlantoaxiale und bei 10 bis 12% eine atlantookzipitale Instabilität vor, beides die Folge einer Bänderschwäche im Nackenbereich. Nur bei wenigen Kindern mit Down-Syndrom (1 bis 2%) entstehen ernsthafte Probleme, wenn Nerven und Rückenmark durch Druck der Knochen geschädigt werden (symptomatische atlantoaxiale Instabilität): die Kinder können Schwierigkeiten beim Laufen bekommen, über Nackenschmerzen klagen und spezielle neurologische Symptome zeigen. Eine Operation ist notwendig, um die Beschwerden zu beseitigen. Bei der sogenannten asymptomatischen Form einer atlantoaxialen Instabilität erkennt man auf Röntgenaufnahmen einen relativ großen Abstand zwischen den beiden Halswirbeln, ohne daß es zu Druck auf Nerven und Rückenmark kommt. Dann sind Beobachtung und vorbeugende Maßnahmen ausreichend: Menschen mit atlantookzipitaler Instabilität sollen bestimmte Sportarten meiden, die zu Verletzung des Nackens führen können. Sie sollen regelmäßig von einem Facharzt untersucht werden. Treten neurologische Symptome auf, kann eine Operation nötig sein. Menschen mit Down-Syndrom, die an Sportveranstaltungen teilnehmen möchten, sollten sich vorher sportärztlich und neurologisch untersuchen sowie den Hals röntgen lassen, um festzustellen, ob es bei ihnen entsprechende Veränderungen gibt.

Wegen der Häufigkeit ihres Auftretens und bei den guten Heilungschancen sollen diese Störungen bei Menschen mit Down-Syndrom so früh wie möglich identifiziert werden. Verzögerte Diagnose dieser Symptome kann eine irreparable Schädigung des Rückenmarks zur Folge haben. Bei allen Kindern mit Down-Syndrom sollte deshalb ab zweieinhalb bis drei Jahren der Hals geröntgt werden. Weil die Entwicklung dieser Störung noch unbekannt ist, muß das Röntgen gegebenenfalls wiederholt werden.
 

Sollen Kinder mit Down-Syndrom regelmäßig auf atlanto-axiale Instabilität hin untersucht werden?
(zusammengefasst nach: Dr. Storm (1995). Das Down-Syndrom. Medizinische Betreuung vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. 125ff)
 
Was spricht gegen regelmäßige Röntgen-Untersuchungen auf atlanto-axiale Instabilität?

Was spricht für vorsichtige regelmäßige Röntgen-Untersuchungen?
Da die Menschen mit Down-Syndrom, die wirklich einmal atlanto-axiale Beschwerden entwickeln, fast alle eine atlanto-axiale Distanz von über 7 mm hatten, empfielt Dr. Storm "vorsichtige" Röntgen-Untersuchungen und weiterführende Diagnostik nach folgendem Schema:

1. Röntgen

2) Klinisch-neurologische Untersuchungen
Mindesten ein bis zwei Mal pro Jahr sollte eine klinisch-neurologische Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung von Pyramidenbahnzeichen bei jedem Kind mit Down-Syndrom durchgeführt werden. Untersucht werden sollten Babinski-Zeichen, Muskeltonus, Gangbild, Eigenreflexe.

Jede Auffälligkeit oder Befundänderung sollte zu weiterführender Diagnostik führen.
 
Welche Sportarten sollten denn bei atlanto-axialer Instabilität vermieden werden?
Alle Sportarten, die potenziell zu extremer Beugung (Flexion) oder Streckung (Extension) im Bereich der Halswirbelsäule führen können:

Purzelbaum, Trampolinspringen, Schwimmen im Schmetterlingsstil, Startsprung beim Springen, Tauchen, Ringen, Gymnastik, Hochsprung, Fußball und andere Kontaktsportarten
 
Welche Beschwerden oder Symptome können denn infolge einer atlantoaxialen Instabilität auftreten?
Wenn Nervenfasern im Rückenmark im Bereich der Halswirbelsäule abgedrückt werden, können an Beschwerden auftreten:

Schmerzen im Halsbereich, eingeschränkte Beweglichkeit im Halsbereich, Schiefhals, verstärkte Eigenreflexe, Babinski-Zeichen, Lähmungen, Muskelschwäche, Gangstörungen vermehrte Ungeschicklichkeit, verminderte Ausdauer, Bevorzugung sitzender Tätigkeiten, Kopfschmerzen, Schwindel, Nystagmus ("Augenzittern"/Zucken der Augäpfel), Empfindungsstörungen, Störungen bei der Blasen- und Darmentleerung



Home  |  Suchen
letzte Aktualisierung: 8.10.2003
© 1999-2008 Menschen mit DS, Eltern & Freunde e.V.