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Veränderungen am Skelett:
Atlantoaxiale Instabilität
Quelle: Pueschel, Siegfried M.: Down-Syndrom
- für eine bessere Zukunft
zit.n. einem Email von Hermann
Stuessel,
Arbeitskreis
Down-Syndrom e.V., Bielefeld
Probleme mit Knochen und Gelenken sind häufig, sie betreffen viele Körperteile. Eine bekannte Beschwerde sind überdehnte Bänder (Bänder bestehen aus Fasern und halten normalerweise die Knochen zusammen). Deshalb sind die meisten Kinder mit Down-Syndrom außerordentlich gelenkig, es kann aber auch zu Subluxationen (Verrenkung) und Luxationen (Ausrenkung) von Knien und Hüften kommen.
Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule werden bei Menschen mit Down-Syndrom relativ oft beobachtet. Große Studien zeigen, daß die meisten Kinder (85%) zwar keine atlantoaxiale (bezieht sich auf Atlas und Axis, den ersten und zweiten Nackenwirbel) oder atlantookzipitale (bezieht sich auf Atlas und Hinterhauptbein des Schädels) Instabilität haben. Bei etwa 10 bis 15% kommt aber eine atlantoaxiale und bei 10 bis 12% eine atlantookzipitale Instabilität vor, beides die Folge einer Bänderschwäche im Nackenbereich. Nur bei wenigen Kindern mit Down-Syndrom (1 bis 2%) entstehen ernsthafte Probleme, wenn Nerven und Rückenmark durch Druck der Knochen geschädigt werden (symptomatische atlantoaxiale Instabilität): die Kinder können Schwierigkeiten beim Laufen bekommen, über Nackenschmerzen klagen und spezielle neurologische Symptome zeigen. Eine Operation ist notwendig, um die Beschwerden zu beseitigen. Bei der sogenannten asymptomatischen Form einer atlantoaxialen Instabilität erkennt man auf Röntgenaufnahmen einen relativ großen Abstand zwischen den beiden Halswirbeln, ohne daß es zu Druck auf Nerven und Rückenmark kommt. Dann sind Beobachtung und vorbeugende Maßnahmen ausreichend: Menschen mit atlantookzipitaler Instabilität sollen bestimmte Sportarten meiden, die zu Verletzung des Nackens führen können. Sie sollen regelmäßig von einem Facharzt untersucht werden. Treten neurologische Symptome auf, kann eine Operation nötig sein. Menschen mit Down-Syndrom, die an Sportveranstaltungen teilnehmen möchten, sollten sich vorher sportärztlich und neurologisch untersuchen sowie den Hals röntgen lassen, um festzustellen, ob es bei ihnen entsprechende Veränderungen gibt.
Wegen der Häufigkeit ihres Auftretens und
bei
den guten Heilungschancen sollen diese Störungen bei Menschen mit
Down-Syndrom so früh wie möglich identifiziert werden.
Verzögerte
Diagnose dieser Symptome kann eine irreparable Schädigung des
Rückenmarks
zur Folge haben. Bei allen Kindern mit Down-Syndrom sollte deshalb ab
zweieinhalb
bis drei Jahren der Hals geröntgt werden. Weil die Entwicklung
dieser
Störung noch unbekannt ist, muß das Röntgen
gegebenenfalls
wiederholt werden.
Sollen
Kinder
mit Down-Syndrom regelmäßig auf atlanto-axiale
Instabilität
hin untersucht werden?
(zusammengefasst nach: Dr. Storm
(1995).
Das Down-Syndrom. Medizinische Betreuung vom Kindes- bis zum
Erwachsenenalter.
Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. 125ff)
| Was spricht gegen regelmäßige Röntgen-Untersuchungen auf atlanto-axiale Instabilität? |
| Was spricht für vorsichtige regelmäßige Röntgen-Untersuchungen? |
1. Röntgen
a) Keine atlanto-axiale Instabilität
wenn Röntgenergebnis: keine Beschwerden
+ atlanto-axiale Distanz < 4,5 mm
wenn keine Beschwerden/keine Symptome vorliegen
und die atlanto-axiale Distanz bei der ersten Untersuchung unter 4,5 mm
ist, sind keine besonderen Maßnahmen oder
Aktivitäteneinschränkungen
notwendig.
b) Geringe atlanto-axiale Instabilität
keine Beschwerden + atlanto-axiale Distanz 4,5
-6,5 mm
individuelle Entscheidung über
weiterführende
Maßnahmen bzw. - sehr großzügige - Empfehlung zu
einzuschränkenden
Bewegungsaktivitäten
c) Symptomfreie atlanto-axiale
Instabilität
keine Beschwerden + atlanto-axiale Distanz >
6,5-7,0 mm
weiterführende Diagnostik mit bildgebenden
Verfahren (CT, NMR), ggf. somatosensible evozierte Potentiale;
chirurgische
Fragen individuell diskutieren
d) Symptomatische atlanto-axiale
Instabilität
Beschwerden + atlanto-axiale Distanz > 6,5-7
mm
unbedingt Begutachtung durch Neuro-Chirurgen und
Herbeiführung einer adäquaten Operation (chirurgische
Intervention)
Jede Auffälligkeit oder Befundänderung
sollte zu weiterführender Diagnostik führen.
| Welche Sportarten sollten denn bei atlanto-axialer Instabilität vermieden werden? |
Purzelbaum, Trampolinspringen, Schwimmen im
Schmetterlingsstil,
Startsprung beim Springen, Tauchen, Ringen, Gymnastik, Hochsprung,
Fußball
und andere Kontaktsportarten
| Welche Beschwerden oder Symptome können denn infolge einer atlantoaxialen Instabilität auftreten? |
Schmerzen im Halsbereich, eingeschränkte Beweglichkeit im Halsbereich, Schiefhals, verstärkte Eigenreflexe, Babinski-Zeichen, Lähmungen, Muskelschwäche, Gangstörungen vermehrte Ungeschicklichkeit, verminderte Ausdauer, Bevorzugung sitzender Tätigkeiten, Kopfschmerzen, Schwindel, Nystagmus ("Augenzittern"/Zucken der Augäpfel), Empfindungsstörungen, Störungen bei der Blasen- und Darmentleerung
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