Logo_klein
Menschen mit Down-Syndrom, Eltern & Freunde e.V.

 


Anmerkungen zum Begriff „Mongolismus“ Home  |  Suchen

verschiedene Übersichtsartikel zu "Down-Syndrom, was ist das?" finden Sie hier aufgelistet
 
 
Woher stammt der Begriff "Mongolismus"
Der Begriff "Mongolismus" geht zurück auf den britischen Arzt John Langdon Haydon Langdon-Down (1828-1896). J.L.H. Langdon-Down war medizinischer Leiter eines Heimes für geistig Behinderte ( „Asylum for Idiots at Earlswood in Surrey“). Ihm war aufgefallen, dass manche Patienten von ihm Ähnlichkeit mit anderen Menschenrassen aufwiesen. Er unterteilte deshalb 1866 in seiner wohl bekanntesten Publikation "Observations on an ethnic classification of idiots" (London Hospital Clinical Lecture Reports, 3, 259-262) geistig Behinderte in die „kaukasische Familie“, in die „Äthiopische“ und „Malaische Varietät“, in „das Volk, das ... ursprünglich den Amerikanischen Kontinent bewohnte“ und in die „große Mongolische Familie“, die er sehr ausführlich beschrieb.

J.H. Langdon Down, 6 kb  J.L.H. Langdon-Down (1828-1896)

Seine ethnische Klassifikation ging zurück auf die einhundert Jahre ältere Rassenlehre (von 1775) des Göttinger Anatoms Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840), der die Menschheit in diese - willkürlichen - Rassen unterschied. Die Blumenbach´sche Rassseneinteilung trug klar rassistische Züge – im Gegensatz zu der Langdon-Down´schen rein deskriptiv klassifizierenden Verwendung. Blumenbach betrachtete seine eigene, die kaukasische Rasse als die Rasse, die die angeblich schönsten Menschen in sich vereine und als Stammrasse anzusehen sei.

In den folgenden Jahrzehnten wurde oftmals auf die L. Down´sche Bezeichnung „mongoloid idiocy“ zurückgegriffen. Dabei wurden die L. Down´schen Ausführungen später teilweise stark missbraucht: Down-Syndrom wurde als Atavismus, als Rückfall in einen Grenzbereich zwischen tierischer und menschlicher Existenz, entsprechend einer angenommenen Minderwertigkeit der sog. Mongolischen Rasse angesehen.
 
 
Beispiele: missbräuchliche Verwendung des Begriffs "Mongolismus"

Warum nicht mehr von Mongolismus“ sprechen?
Somit ist es in keiner Weise mehr gerechtfertigt, weiter an dem Ausdruck "Mongolismus" festzuhalten.
 
 
Literatur:
Eine hervorragende Literaturquelle zu dieser Thematik, auf die sich die oben stehende Übersicht im wesentlichen bezieht und aus der das Photo von Hr. Langdon-Down stammt:: Dr. Norbert J. Pies (1996): John Langdon Haydon Langdon-Down. Ein Pionier der Sozialpädiatrie. Karlsruhe: G. Braun Verlag

Originalveröffentlichung von Hr. Langdon-Down: "Observations on an ethnic classification of idiots" (London Hospital Clinical Lecture Reports, 3, 259-262)"

Nachdruck (Word97, 327 KB) dieser Original-Arbeit: "Observations on an ethnic classification of idiots", Mental Retardation, 33 (1): 54-56, 1995

Leserbrief GEO wegen Verwendung des Begriffes "mongoloid" in der Ausgabe März 2001



Home  |  Suchen
letzte Aktualisierung: 1.3.2004
© 1999-2008 Menschen mit DS, Eltern & Freunde e.V.